Hans Lippl - fünf Jahrzehnte Geländesport
Obwohl ein waschechter Franke fuhr Lippl seine erste Geländefahrt auf einer schwäbischen Maico, einer umgebauten M 200-Straßenmaschine. Vier Goldmedaillen hatte er sich 1957 bei 11 Starts erkämpft. „Das war für mich ein lehrreiches Jahr“, erinnert sich der Uhrmachermeister, „als „Lohn“ für die Erfolge musste ich in die Lizenzklasse aufsteigen“.

Der Durchbruch kam aber bereits 1959.
Der Nürnberger wohnte in der Nachbarschaft der damaligen Hercules-Werke und hatte das Glück, eine von vier Versuchsmaschinen der neuen K 101 GS kaufen zu können, womit er auf Anhieb erfolgreich war. 12 Goldmedaillen bei 16 Starts in der 100 cm³-Klasse hatten ihn so motiviert, dass er 1960 alles daran setzte, die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen.
„Ich war so heiß, dass ich alle Läufe fuhr – und beim Endlauf in Norden/Ostfriesland wurde ich tatsächlich Deutscher Meister“.

Sieben Jahre fuhr Lippl die kleine Hercules und errang drei Medaillen bei Sechstagefahrten, bevor er wieder zu Maico wechselte. Und der schwäbischen Marke ist er bis zum Ende treu geblieben.
1976 hätte es beinahe noch einmal zu einer Meisterschaft gereicht, aber beim Endlauf um den erstmalig ausgetragenen Senioren-Cup wurde er knapp von Burchard Lenz geschlagen und musste sich mit Platz zwei begnügen.



Als dann in den 80er Jahren die Veranstaltungen immer leichter wurden und die älteren Fahrer seiner Wahrnehmung nach nur noch gerne gesehen wurden, um die Starterfelder aufzufüllen, beendete Lippl 1990 seine Karriere.
Der Ruhestand war aber nur von kurzer Dauer. Schon drei Jahre später richtete der MSC Isny die erste Klassik-Geländefahrt in Deutschland aus, Lippl war sofort Feuer und Flamme. Und weil in seiner Garage immer noch die alten Maicos standen, brauchte er nur seinen legendären Römer-Geländehelm und die Wellnhofer-Jacke aus dem Schrank zu holen.

Viele Jahre war er mit Begeisterung dabei und aus der Klassik-Szene nicht mehr wegzudenken, bis es doch hier und da etwas zwickte und er sich entschloß, etwas kürzer zu treten. Aber weil für ihn der Kontakt zu seinen alten Freunden immer genau so wichtig wie der sportliche Erfolg war, blieb er der Szene erhalten und unterstützte manche Veranstalter zusammen mit seiner Gisela mit seinen historischen Stempeluhren bei der Zeitnahme oder als Punktrichter bei den Trialprüfungen. Und wenn es dann ganz gemütlich wurde, holte er sein Akkordeon aus dem Camper und spielte wie damals in den 1960er Jahren.
Hans Lippl verstarb 2010 im Alter von 75 Jahren.
1958 auf Maico in Sonnefeld
Schwere Schwäbische 1960 auf Hercules K 101
Goldmedaille bei der Sechstagefahrt 1961 in Llandrindod Wells.
1962 Silber bei der Sechstagefahrt in GaPa.
Mitte der 1960er Jahre dann wieder Wechsel zu Maico.
Klassik-Geländefahrt “Rund um die Hohe Asslitz” in Sonnefeld.
© Leo Keller 2026
