Düsen-Büse
Als Heino Büse 1962 auf einer gebläsegekühlten Kreidler mit Dreigang-Handschaltung bei seiner ersten Geländefahrt in Fürstenberg startete, wurde sein Name gleich bekannt. „Ich startete erst in die letzte Runde, als meine Konkurrenten schon längst im Ziel waren“, lacht er heute. Keiner der Zuschauer ahnte damals, dass hier einer der besten deutschen Fahrer seine Premiere feierte. Büse hatte Gefallen am Geländesport gefunden und ließ sich durch anfängliche Rückschläge nicht entmutigen.
Wenige Jahre später traf Büse als junger Soldat in Munster auf Burchard Lenz und Rupprecht Lammers. Die talentierten Soldaten erhielten Testmaschinen von der deutschen Zweirad-Industrie, die dabei nicht ganz uneigennützig an einen lukrativen Auftrag für das Nachfolgemodell der betagten Bundeswehr-Maico dachte. Meistens waren das reinrassige Werksmaschinen von Hercules, der Zweirad Union oder Zündapp, lediglich lackiert in olivgrün.

Schon 1966 gab es die ersten großen Erfolge für Büse: zusammen mit Lenz und Lammers gewann er die Deutsche Clubmannschafts-Meisterschaft.
In der gleichen Konstellation trat die Bundeswehr-Mannschaft bei der Sechstagefahrt im schwedischen Karlskoga an. Diesmal hatten Hercules und Zündapp ihnen zivile Werksmaschinen zur Verfügung gestellt, mit denen die Drei am Ende ihren Erfolg aus der Deutschen Meisterschaft wiederholen konnten und bestes Club-Team wurden.
Den Pokal erhielten die deutschen Soldaten in Uniform damals von einem ebenfalls uniformierten russischen Admiral -in Zeiten des kalten Krieges war so etwas vermutlich nur im Geländesport denkbar.


1973 wechselte Büse zu KTM. Seine Zeit bei den Österreichern war ausgesprochen erfolgreich – bester deutscher Fahrer bei den Six Days in Camerino (Italien, 1974), punktbester Einzelfahrer bei den Six Days 1975 auf der Isle of Man, Deutscher Meister 1975 und 1976 (500 cm³) und Klassensieg 350 cm³ bei der Sechstagefahrt 1976 im österreichischen Zeltweg, quasi dem Heimspiel von KTM.

Nun wurde Maico auf den jungen Fahrer aufmerksam und setzte ihn in der Saison 1967 auf eine 125 cm³-Drehschieber-Maschine, mit der Büse Zweiter im Europa-Cup, dem Vorläufer der Europameisterschaft wurde.
Als Hercules sich 1977 wieder mit einem Werksteam am Geländesport beteiligte, stand Büse ganz oben auf der Wunschliste für die neue 350er mit Siebengang-Motor. Gleich im ersten Jahr gewann er die Meisterschaft. Das Engagement bei Hercules stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern. Weder KTM noch Maico stellten für Büse eine ernstzunehmende Konkurrenz dar, diese kam ausgerechnet aus dem eigenen Haus. Beim italienischen Europameisterschaftslauf, der „Valli Bergamasche“, wurde der Italiener Gianpaolo Marinoni zu Büses Unterstützung in die 350er Klasse gesetzt, aber statt den Gegnern wertvolle Punkte wegzunehmen, verwies er Büse mit 6 Sekunden Rückstand auf Platz zwei.

Schon 1978 war bei Hercules wieder „die Luft raus“, Gerade recht kam da das Angebot von Maico, in der Deutschen Meisterschaft mit einer 250er und in der Europameisterschaft in der 750 cm³-Klasse zu starten.
Und bei der Sechstagefahrt auf heimischem Boden im Lager Stegskopf war Büse dann zum ersten mal Mitglied der deutschen Trophy-Mannschaft. Besser konnte die erste Saison bei Maico nicht laufen: Deutscher Meister 250 cm³, Europameister 750 cm³, Gewinner der 750 cm³-Klasse bei den Six Days, dazu Platz 2 für das deutsche Trophy-Team knapp hinter den Italienern.

Nachdem er 1982 nochmals Deutscher Enduro-Meister 500 cm³ geworden war, hängte Büse von heute auf morgen sein Helm an den Nagel.Erhebliche Qualitätsmängel bei den Serienmaschinen hatten Maico in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, so dass der schwäbische Hersteller 1983 Konkurs anmelden musste.
Büse, damals 39 Jahre alt, beendete seine Karriere mit der gleichen Konsequenz, mit der er bisher um Siege gekämpft hatte. „Ich sah keine Möglichkeit mehr, an konkurrenzfähiges Material zu kommen“, so Büse heute. Und Hinterherfahren ist noch nie sein Ding gewesen.
6 Deutsche Gelände-Meisterschaften auf KTM, Hercules und Maico, 2 Europameisterschaften auf Maico, 12 x Sechstage-Gold, Gesamtsieger der 50. Six Days 1975, dazu unzählige Siege bei Gelände- und Motocross-Veranstaltungen: Büse hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er seinen Ehrennamen „Düsen-Büse“ zu Recht trägt.
Nach Ende der Fahrer-Karriere nutzte er seine Kontakte zur Industrie und verkaufte den früheren Konkurrenten hochwertige Bekleidung und Zubehör. Im Laufe der Jahre wurde aus dem „Ein-Mann-Betrieb“ einer der führenden Grosshändler mit eigenem Label.
Das Munsteraner Bundeswehr-Team auf Zweirad- Union-trestmaschinen. Links Heino Büse, rechts Burchard Lenz.
Die siegreiche Bundeswehr-Mannschaft bei der Sechstagefahrt 1966 im schwedischen Karlskoga. V.l. Heino Büse, Burchard Lenz, Rupprecht Lammers mit einem schwedischen Kameraden.
Zusammen mit Burchard Lenz auf den 125 Kubik-Maico-Drehschieber-Maschinen für die Sechstagefahrt 1967 im polnischen Zakopane.
Heino lässt die 1974er KTM fliegen.
Trotz eines DM- und eines Vizetitels jeweils in der 350 Kubik-Klasse fühlte sich Heino bei Hercules nicht wohl und wechselte nach zwei Jahren zu Maico.
1979 als Mitglied der deutschen Trophy- Mannschaft bei der Sechstagefahrt im Siegerland.
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