Otto Peter
Zum ersten mal fiel Otto Peter - Otto ist der Vorname - bei der Jubiläumsgeländefahrt 1998 in Isny mit seiner MZ 150 ESG auf, der die Spuren unzähliger Geländefahrten deutlich anzusehen waren.
Wie die Geschichte es wollte, wurde Otto 1942 geboren und wuchs im geteilten Nachkriegsdeutschland in Ostdeutschland auf. 1959 bekam er seinen Führerschein und kaufte sich für die stolze Summer von 1.850 Ostmark eine MZ 125/3, die er gleich umbaute und damit an Trials und Geländefahrten in der Umgebung teilnahm. Nach einigen Anfangserfolgen stieg er in den Motocross-Sport ein. Obwohl er im "Sozialistischen Arbeiterparadies" lebte, konnte die ostdeutsche Industrie nicht mit der des kapitalistischen Westdeutschland Schritt halten, was Wettbewerbsmaschinen betraf. Otto liebäugelte deshalb mit einer Jawa, die im sozialistischen Bruderstaat CSSR gebaut wurde. Zuhause baute er dann einen MZ-Viergang-Motor in ein Jawa-Fahrgestell ein.

In der ostdeutschen Nachkriegswirtschaft in den 60er Jahren musste man Wartezeiten von mindestens sechs Jahren einkalkulieren, wenn man einen Trabant, einen Kleinwagen aus Plastik und Sperrholzkarosserie mit einem Zweitaktmotor, kaufen wollte. Otto machte aus der Not eine Tugend und kaufte ein AWO 250- Gespann, schraubte die Verkleidung vom Seitenwagenrahmen ab und transportierte stattdessen seine Wettbewerbsmaschine.
Im Laufe der nächsten Jahre kamen noch einige Maschinen in Ottos Garage, alle speziell modifizierte Serienmaschinen. Als Mechaniker musste Otto tagsüber arbeiten, durfte aber Werkstatt und Geräte an seinem Arbeitsplatz des nachts benutzen, um aus seinen Serienmaschinen Rennmaschinen zu bauen.

Trotz der politischen Situation zwischen den beiden deutschen Staaten im Kalten Krieg hatte Otto das Glück, reisen zu können, allerdings nur in eine Richtung - nach Osten. 1967 nahm er auf einer MZ ES 175 an der FIM- Rallye nach Moskau teil. 1973 konnte er eine zehn Jahre alte MZ ES 150 G kaufen, mit der er bei Geländewettbewerben startete. Seine Eigenbauten setzte er weiterhin bei Motocross oder Trial ein.


Auch nach der Wende setzte Otto seine treue 150er noch viele Jahre im Klassik-Geländesport ein. Stolz berichtete er einmal, daß er niemals mit der ES ausgefallen sei, obwohl natürlich manchmal Hand angelegt werden musste, um das alte Schätzchen am Laufen zu erhalten. Erst im Alter von fast 50 Jahren erhielt sie eine neue Lackierung, natürlich mit dem ein- oder anderen neuen Ersatzteil.

2016 ist Otto im Alter von 74 Jahren verstorben. Seine über 50 Jahre alte MZ wird aber noch gelegentlich von seinem Sohn Rolf an den Start einer Klassik-Geländefahrt geschoben.
1963 - Jawa-Fahrgestell mit 4-Gang-MZ- Motor.
Die Lösung des Transportproblems: ein 250er AWO-Gespann.

1973 konnte Otto eine gebrauchte ES 150 Geländemaschine erwerben, mit der er viele Jahre startete.
1967 Teterower Bergring.
1989 Trial Neustrelitz.
Als 70jähriger mit einer 700er Startnummer bei einer Klassik-Geländefahrt.
© Leo Keller 2026
