Wer war eigentlich – Burchard Lenz?

Wer sich mit der Klassik-Szene befasst, dem ist der Name Lenz natürlich ein Begriff. Schon vor sieben Jahrzehnten startete der gebürtige Westpreusse zum ersten mal bei einer Geländefahrt.

Die „Altsenioren“ kennen natürlich Burchard Lenz, aber vielleicht sagt der Name auch dem ein- oder anderen der „Neusenioren“ etwas.

Wir möchten an dieser Stelle an unser Gründungs- und Ehrenmitglied erinnern, das vor zwei Jahren im Alter von 88 Jahren verstorben ist.

 

Geboren im September 1935 im damaligen Westpreussen flüchtete er vor der anrückenden Roten Armee ins heutige Thüringen. Noch heute läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter, wenn ich an die Greueltaten der russischen Soldaten denke, über die Burchard an Hannelore Clasens Küchentisch erzählte.

1953 bekam er über die GST Kontakt zum Geländesport, später zog er wegen der Arbeitsstelle von Thüringen nach Niedersachsen, wo er in die neugegründete Bundeswehr eintrat und dort auf seine große Motorradliebe, die Nato-Maico, traf, mit der er viele Jahre erfolgreich in der Behördenklasse im Geländesport teilnahm.

 

 

Auf Nato-Maico bei der Weser-Diemel-Geländefahrt 1963 Karlshafen.

 

Das war natürlich auch der Industrie nicht verborgen geblieben und so kam es, daß Burchard und seine Munsteraner Kameraden Heino Büse und Ruprecht Lammers Prototypen der Zweirad Union, von Hercules und auch Maico zur Verfügung gestellt bekamen.

13

1966 hätte ein Sturz fast den ersten großen Erfolg verhindert. Zur Zweitagefahrt in Isny reiste die Bundeswehrmannschaft als Führende in der Clubmeisterschaft an, aber Lenz stürzte am Ende des ersten Tages und brach sich das Schlüsselbein. Er schaffte es aber noch, sich strafpunktfrei ins Ziel zu retten.

 

 

Mit gebrochenem Schlüsselbein zur Mannschaftsmeisterschaft 1966.

 

Wenige Stunden später saß Lenz in einem benachbarten Militärlazarett auf einem Stuhl und hielt mit seinen ausgestreckten Armen einen Besenstiel, so wie einen Lenker. Die Sanis gipsten ihm in dieser Stellung die lädierte Schulter ein. Am nächsten morgen biß Burchard die Zähne zusammen und ging mit eingegipster Schulter an den Start und sicherte der Bundeswehrmannschaft die Clubmeisterschaft.

In gleicher Besetzung wurde das Team bei der Sechstagefahrt in Karskoga ebenfalls beste Clubmannschaft.

Nach einer weiteren Goldmedaille bei den Six Days 1967 in Polen wäre die Karriere um ein Haar beendet gewesen. Bei der Kradausbildung in Muster fuhr ein Fahrschüler in die stehende Maico und Burchard schleuderte über den Lenker, dabei brach er sich beide Handgelenke.

 

Später wurde er fünfmal Gewinner des OMK Seniorencup und dreimal Gewinner des IGE-Cups für Fahrer über 60, bevor er in den 1990er Jahren die Liebe zum Klassik-Geländesport entdeckte, natürlich auf Nato-Maico oder Hercules.

 

 

14

 

Die erfolgreiche Bundeswehr-Mannschaft: v.l. Zündapp-Chefin Frau Dr. Mann, Burchard Lenz, Ruprecht Lammers und Heino Büse.

 

 

1976 Gewinner des ersten OMK-Seniorencups auf Hercules GS 175.

 

Als in Isny der Klassik-Sport „erfunden“ wurde, war er viele Jahre regelmäßiger Starter auf seiner Maico und seiner Bundeswehr-Hercules.

 

 

Rad an Rad mit Helmut Clasen beim Reunion Ride in den USA.

 

© Leo Keller 2026

Website_Design_NetObjects_Fusion
vin15_head2