Bei der Sechstagefahrt 1979 im Siegerland war Jochen mit seiner Maico ebenfalls dabei, allerdings nicht als Teilnehmer, sondern  als Marschall. 

So nach und nach gaben die Fahrer aus Jochens Generation aber den aktiven Sport auf und wieder hatte Jochen eine zündende Idee - er rief einen Freundeskreis ins Leben, der sich “Enduro-Senioren” nannte und nach der Saison (der ein- oder andere war ja weiterhin aktiv) an Rhein- und Mosel traf.  Zwar war die Teilnahme beim ersten Treffen, das 1980 in Bad Breisig am Rhein stattfand, noch etwas überschaubar, aber schon ein Jahr danach waren trotz Glatteis bereits 25 Senioren erschienen – 1982 waren es schon 70 und ein Jahr später sogar 85 Teilnehmer, die an den Rhein gekommen waren. Bis 1985 war Bad Breisig der „Tagungsort“, ab 1986 traf man sich einige Kilometer weiter im Weinhaus Hoffnung in Winningen an der Mosel.
Bei den geselligen Treffen am Abend war die von Jochens Frau Ilse organisierte Tombola häufig einer der Höhepunkte. Bei 400 Losen gab es damals 350 garantierte Gewinne, da ging niemand mit leeren Händen nach Hause (und von dem Erlös konnten über viele Jahre hinweg die Organisationskosten bezahlt und auf einen Beitrag verzichtet werden). Manchmal gab es sogar im Sommer ein weiteres Treffen mit Motorrad-Ausfahrten - Schwerpunkt: viel Spaß!

Einige Jahre später begann eine neue Ära - 1993 organisierte der MSC Isny zu seinem 75jährigen Vereinsjubiläum eine Geländefahrt für historische Geländemotorräder - der Beginn der bis heute boomenden Klassik-Szene. Und natürlich war Jochens Alte Garde von Anfang an mit viel Ehrgeiz dabei.  Und es zeigte sich, daß man Geländefahren offensichtlich genau so wenig verlernt wie Schwimmen. Jochen und Ilse kamen viele Jahre noch zu den Klassik-Veranstaltungen, sei es, um ihre Freunde zu unterstützen oder aber für den Veranstalter in launigen Worten auf die früheren Jahre zurückzublicken.

2022 gab es bei den Enduro-Senioren einen Führungswechsel. Unmittelbar nach der Wahl gab der neue Vorstand für viele überraschend eine Neuausrichtung der Enduro-Senioren bekannt, die durch Neuaufnahmen verjüngt werden sollten. Damit wurde die fast 45jährige Tradition, daß neue Mitglieder´durch freundschaftlichen Kontakt gezeigt haben mussten, daß sie zum Freundeskreis passten, von heute auf morgen zu Grabe getragen. Heute sind die Enduro-Senioren Deutschland e.V. ein Motorsportverein mit weit über 100 Mitgliedern. Die jahrelang geübte Praxis der Mitgliedergewinnung ist nach Auffassung des Vorstandes ein nicht mehr zeitgemäßes Ritual.

Aber der Kreis schließt sich. Wenn Jochens Freundeskreis heute “in die Jahre” gekommen ist und es bei den Geländefahrten etwas langsamer angehen lässt,, sind wir wieder da, wo vor mittlerweile fast 50 Jahren die Idee geboren wurde, nach der aktiven Zeit den Kontakt zu pflegen, ohne Woche für Woche irgendwo am Start zu sein. Jochens “Alte Garde” eben.

Jochen Paul, ohne den es uns nicht gäbe

Jochen Paul war schon vor über 70 Jahren ein begeisterter Geländefahrer und nahm mit seiner Puch auch an Mehrtagesfahrten in der damaligen DDR teil - Mitte der 1950er Jahre ging das noch problemlos. Noch viele Jahre hat er nicht ohne Stolz seine Bronzemedaille der 2. Int. 4-Tage-Leistungsfahrt der GST von 1955 gezeigt

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Durch seine Tätigkeit als Offizier der Bundeswehr kam Jochen natürlich mit Maico in Kontakt und wechselte von Puch auf Maico, eine Marke, der er sein Leben lang treu geblieben ist.

Immer gehörte Jochen zum Heer der vielen Privatfahrer, für die der Geländesport ein Hobby zwischen Spaß und Sport war, wobei er den Schwerpunkt auf den Spass legte.

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.Anfang der 1970er Jahre kam Jochen auf die Idee, eine Seniorenklasse im Geländesport einzuführen, so wie es das in vielen anderen Sportarten auch gab. Unterstützung erhielt er dabei von Hercules, KTM und Maico, aber seine Privatinitiative sollte noch mehrere Jahre viel
Überzeugungskraft kosten, Als er seinen Vorschlag der damaligen OMK unterbreitete, gab es zunächst nur Spott. Ein ehemaliger Trophy-Sieger meinte sogar, wenn der Geländesport zu schwer sei, sollte er es einmal mit Angeln versuchen. Jedenfalls gab Jochen nicht auf und schaltete sogar eine private Kleinzeige in der Motorrad-Zeitung, um die Resonanz bei den Fahrern festzustellen.

Erst als der frühere Gespannweltmeister Max Deubel OMK-Präsident wurde, stieß er in der Frankfurter “Motorsport-Behörde” auf offene Ohren und das Eis war dann auch schnell geschmolzen. 1976 gab es dann zum ersten mal eine Senioren-Klasse für Fahrer ab 40 Jahren. Und nicht nur das, die OMK richtete sogar eine Meisterschaft aus, den OMK-Senioren-Cup. Erster Gewinner des Senioren-Cup wurde übrigens mit Burchard Lenz auch einer von der “Alten Garde”.

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Zur Vorstandswahl 2013 kandidierte Jochen Paul nicht mehr als Vorsitzender und legte das Amt in jüngere Hände. Leo Keller und Friedrich Hieronymus folgten ihm und führten die Enduro-Senioren ganz in Jochens Sinne weiter.

Im Sommer 2014 ist Jochen Paul im Alter von 88 Jahren verstzorben.

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Jochen bereitet seine Puch auf die nächste Geländefahrt vor.

Seit den 1960er Jahren ist Jochen der Marke Maico verbunden.

Erinnerung an die gute alte Zeit - Jochen Paul bei der Adolf Ockert-Geländefahrt in Sandhausen, natürlich stilgerecht in seinem alten Wellnhofer-Anzug.

Natürlich war Jochen auf seinen Maicos auch in der Seniorenklasse am Start.

Statt Mitgliedsbeitrag - die mehr als üppige Tombola deckte die Organisationskosten.

Ehrung für erfolgreiche Senioren. Statt Pokal erhält Hans-Jürgen Hanebuth einen Kolben vom “Leo”.

Verabschiedung mit Stil. Burchard Lenz zog sich zu Ehren von Jochen seinen alten Belstaff-Anzug an und gab einige seiner “Schoten” zum Besten.

Natürlich wurde Jochen Paul erster Ehrenvorsitzender der Enduro-Senioren.

© Leo Keller 2026

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