
Sechstagegold 1962 auf der privaten DKW in Garmisch

Auf der 175er Werks-Hercules bei der Rheinlandfahrt 1964 in Bielstein (oben)
1967 wanderte Helmut Clasen nach Kanada aus und eröffnete in der Nähe von Toronto einen Motorrad-Laden. Die ganze Zeit über blieb er dem Geländesport treu und 1971 war er wieder bei einer Sechstagefahrt am Start. Auf der Insel Man in Grossbritannien fuhr Helmut eine selbst präparierte Ossa 250, die das Vorbild für die späteren Ossas SDR-Modelle war (SDR: Six Days Replica). Auf dem spanischen Fabrikat gewann er die erste Goldmedaille für Kanada, was ihm eine Einladung des kanadischen Premierministers einbrachte.
Weitere Sechstagefahrten folgten - 1972 in Spindlermühle (CSSR) auf einer Jawa, 1973 in Dalton/Massachusetts auf einer Zündapp und 1976 am heutigen Red Bull-Ring auf einer 175er Hercules. Das sollte eigentlich seine letzte Sechstagefahrt sein, aber als 13 Jahre später das ISDE im badischen Walldürn ausgetragen wurde, war klar, dass er dort wieder dabei sein würde, diesmal auf einer 500er KTM. Seine endgültig letzte Sechstagefahrt fuhr Clasen 1994 im Alter von unglaublichen 59 Jahren auf der Zink Ranch in Tulsa/Oklahoma.

Mit 66 Jahren.... startete Speedy Clasen auf einer 125er Hercules bei der Allgäu-Classic in Isny, wo er Gefallen am historischen Geländesport fand.
Seit 2001 war ”Speedy” Clasen regelmäßiger Starter bei Klassik-Geländefahrten in Deutschland -Isny, Mauer, Schimmeldewog, Sonnefeld oder Zschopau - , dazu lieferte er sich mit seinem gleichaltrigen Freund Burchard Lenz packende Zweikämpfe beim jährlichen “Reunion Ride”€ in den USA. Mit 80 Jahren sollte der Helm aber endgültig an den berühmten Nagel gehängt werden, natürlich nicht, ohne sich vorher noch einen letzten Schlagabtausch mit seinen deutschen Sportkameraden zu liefern. Bei der 37. Geländefahrt von Jochen Pauls Enduro-Senioren in Schlüchtern verabschiedete er sich mit einer Träne im Knopfloch endgültig vom aktiven Sport. Ein hervorragender fünfter Platz hinter Klassik-Cracks wie Bruno Bierschenk oder Arnulf Teuchert haben noch einmal eindrucksvoll gezeigt, dass er auch als 80jähriger kein bisschen langsam ist.

Speedy jagt seinen deutschen Freund Burchard Lenz beim Reunion Ride 2005 in Arkansas.
60 Jahre Geländesport,, sieben Sechstagefahrten unter deutscher und kanadischer Flagge, 14 kanadische Meisterschaften, die amerikanischen Enduro-Legenden Malcolm Smith, Steve McQueen und John Penton waren seine Freunde, Ossa-, Hercules-, Zündapp- und vier Jahre lang KTM-Importeur für Kanada - Helmut Clasen hat den kanadischen Endurosport in den Anfangsjahren entscheidend geprägt. Danach reiste er noch viele Jahre zu den Six Days, wo er die kanadischen Fahrer betreute und als Dank dafür 2001 im französischen Brive-la-Gaillarde die kanadische Fahne bei der Eröffnungsfeier tragen durfte. Die größte Ehre wurde ihm aber 2007 zuteil, als er neben den Grand-Prix-Superstars Steve Baker und Yvon Duhamel als erster Offroadsportler in die kanadische ”Hall of Fame” aufgenommen wurde.
Größte Ehre - 2007 wurde Speedy Clasen als erster Offroader in die kanadische Motorcycle Hall of Fame aufgenommen.
Wenn ”Speedy” Clasen nun auch nicht mehr am Gasgriff dreht, wird er der deutschen Klassik-Gemeinde aber nicht verloren gehen - gleich in mehreren Internet-Foren steht der mittlerweile über 90jährige den aktiven Fahrern immer noch als kompetenter Ratgeber mit seinem schier unerschöpflichen Wissen aus über sechs Jahrzehnten zur Verfügung.
“C” wie ”Clasen”
Vor fünf Jahrzehnten fand man im ”Six Days-ABC”€ des Geländesportjournalisten Robert Poensgen unter dem Buchstaben ”C” den Namen Clasen/Canada. 1935 in Köln geboren, 1962 Sechstage-Gold in Garmisch, vor einem halben Jahrhundert nach Kanada ausgewandert - aber ”Speedy” Clasen ist auch heute noch ein Begriff in der deutschen Klassik-Enduro-Szene und gehört seit vielen Jahren zu Pauls Alter Garde..
Seine ersten Erfahrungen auf zwei Rädern hatte Helmut Clasen 1948 als 13jähriger gesammelt, damals allerdings noch mit Muskelkraft auf einem Fahrrad, dessen Rahmen er selbst gebaut hatte. Mehr als 50 Siege folgten im Laufe der nächsten Jahre und 1956 hatte Clasen sich sogar für die olympischen Spiele im australischen Melbourne qualifiziert, aber ein Arbeitsunfall beendete seine erfolgversprechende Radfahrer-Karriere kurz vor dem Höhepunkt eines jeden Sportlerlebens. Über seinen Onkel, einem früheren Mannschaftskameraden des Ferrari-Piloten Graf Berghe von Trips, kam er danach zum Motorsport, wo er bald Gefallen am Geländefahren fand. Clasen lernte schnell und schob 1962 bei der internationalen Sechstagefahrt in Garmisch-Partenkirchen seine private DKW RT 175 an den Start, wo er auf Anhieb eine Goldmedaille gewann. Dies war um so beachtlicher, weil er am Ende vor der deutschen Werksfahrerelite lag und ihm nach dem sechsten Tag nur ganze 25 Sekunden vom tschechischen CZ-Fahrer Zdenek Polanka, dem Punktbesten in der 175er Klasse, trennten. Das brachte ihm einen Werksvertrag bei Hercules ein, wo er zunächst in der 50 Kubik-Klasse als Wasserträger von Heinz Brinkmann eingesetzt wurde und später auf die 175er umstieg
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